An alle, die diesen Satz jetzt 3mal lesen mussten, um ihn, zumindest halbwegs, zu verstehen, ärgert euch nicht, denn es geht auch dem Autor nicht anders...
Im Moment ist es für mich reichlich schwierig sinnvolles hervorzubringen, da der Tag unserer Abreise nicht nur immer näher rückt, sondern sogar nur noch 2Tage weg ist und ich persönlich mit erschreckend gegensätzlichen Gefühlen zu kämpfen habe.
So sind es neben der, völlig anderen, Kultur und unserem Programm gerade die Menschen, die ich hier kennengelernt habe, die ich besonders vermissen werde.
Ihre, fast durchgängig, offene Art erleichterte meinen Aufenthalt hier immens und viele von Ihnen werden mir in meinem Herzen sicherlich noch lange erhalten bleiben.
Eben angesprochene Personen werden diesen Text sicherlich nie, in einer für sie, verständlichen Sprache, zu Gesicht bekommen, wobei ich denke, dass sie wissen, wie ich über sie denke und so ist dieser Abschnitt einem ganz besonders außergewöhnlichem Menschen gewidmet, den ich leider erst seit viel zu kurzer Zeit kenne und der mir kürzlich offenbarte meine Texte ins Englische übersetzen zu lassen, um sie zu verstehen(Hi Bri! Hier kommt eine leichte Übersetzung: ich werde dich vermissen:)).
Auf der anderen Seite kann ich mich jedoch nicht ernsthaft davon ablenken, wie sehr ich mich wieder auf zu hause und eben alles was dazu gehört freue und so befinden sich meine Gedanken also gerade, kaum fassbar, irgendwo zwischen Raum und Zeit.
Was bleibt sind die Erinnerungen daran, was mein Leben einmal ausmachte und wie sich meine Ansichten und meine Einstellung innerhalb eines Jahres so gravierend verändern konnten.
Noch vor 12 Monaten, oder auch 365Tagen, also im Prinzip einem Katzensprung in der Zeit, wenn man von einer durchschnittlichen Lebensdauer von 75 Jahren ausgeht, war ich für die meisten Menschen nur Irgendjemand, der sein Abitur in oben, kurz erwähntem, Gymnasium, mehr schlecht als recht absolviert hat.
Heute sind es eben jene 8760 Stunden, die mich prägen und ausmachen.
Sowohl das tägliche Leben eines, zugegebenermaßen schlecht bezahlten Arbeiters, mit ebenso zugegebenermaßen unnätürlich vielen Urlaubstagen, als auch die tagtägliche Berührung mit der Antideutschen, amerikanischen Kultur machten meinen Aufenthalt hier weitestgehend aus.
Und nachdem anfänglich die Skepsis, überwog, waren es gerade die letzten Wochen, die meinen Aufenthalt in ein gänzlich anderes Licht rückten.
Menschen mit denen wir zusammenarbeiteten scheinen uns und das was wir hier, in gewisser Weise, leisten wertzuschätzen und so waren es vor Allem kleine Gesten, die mir zeigten, dass unser Aufenthalt hier alles andere als Umsonst war.
Mein letztes Bauprojekt von vor letzter Woche ist das perfekte Beispiel hierfür.
Unsere Aufgabe war es ein Dach zu reparieren, was Habitat, neben den Behindertenrampen, als kostenlosen Dienst zur Verfügung stellt,
Trotz dieser, wie ich finde, beeindruckenden,weil nicht billigen und arbeitsunaufwändigen, Hilfesleistung, kam es viel zu selten vor, dass sich die Betroffenen auch nur bei uns für unsere Arbeit bedankten, geschweigedenn mithielfen.
So war ich also mal wieder nicht allzusehr motiviert bei mindestens 50Grad im Schatten auf ein Dach zu steigen und es neu zu decken, bis ich die Hauseigentümerin kennenlernte.
Gleich am ersten Tag bot sie uns Snacks und Getränke an und säuberte ihre Einfahrt von dem, was von ihrem alten Dach übrig blieb und was wir vorübergehend eben dorthin warfen.
So hatte ich also im Verlauf der Woche keinerlei Probleme damit von meinem Supervisor auch schonmal eine volle Stunde vor eigentlichem Arbeitsbeginn abgeholt zu werden um der Mittagshitze zu entgehen und schneller arbeiten zu können und kümmerte mich auch nicht mehr allzusehr um die 10, neu entstandenen, Blasen, an meinen Händen:)
(seltene)Erfahrungen, wie diese zeigen,dass manche Menschen auf Hilfe angewiesen sind, aber auch, dass einige sie vielleicht mehr verdienen, als andere. Viel zu oft wurden diese kostenfreien Dienste ausgenutzt und so sind es ein paar wenige Erinnerungen, die mich daran glauben lassen, dass Habitat wirklich eine gute Sache ist und ich hoffe inständig, dass die 3nächsten Deutschen viel mehr dieser Erfahrungen sammeln können.
Trotzdem reichen sie aus, um mich gerade in diesem Moment, vor Freude, lächeln zu lassen.
Soziale Arbeit, als Art Nationalen Volkssport zu leisten, ist sicherlich einer der Eindrücke, die ich am frischesten mit nach hause nehmen werde.
Ich persönlich habe noch nie zuvor von ähnlichen populären Projekten in Deutschland gehört, was allerdings auch auf mein früheres Ich zurückzuführen sein kann und ich finde man kann dieses Engagement, von Jung bis Alt, garnicht hoch genug wertschätzen.
Viel mehr noch kann sich eine solche Moral in keinem Fall negativ auf die jeweiligen Lebensstandards auswirken und sollte, so finde ich, um jeden Preis, in den Köpfen der Menschen verankert werden.
Ich bin davon überzeugt, dass diese Erkenntnis und die Erfahrungen, die ich sammelte, mir dabei helfen werden persönliche Ziele zu erreichen und kann jedem, der die Wahl hat und vor vielleicht jetzt gerade vor einer Entscheidung steht, nur Empfehlen, diesen, manchmal, harten Weg ebenfalls einzuschlagen.
Es lohnt sich definitiv.
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